Initiative für Luftfahrt-Biokraftstoffe
08.06.2011 | Führende deutsche Forschungseinrichtungen, Unternehmen aus der Luftfahrtbranche und Bioenergieproduzenten haben am Mittwoch in Berlin den Verein "Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany - aireg e.V." ins Leben gerufen. An der Gründungsfeier nahm auch Dr. Peter Ramsauer, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, teil.
Der Verein sieht sich als Plattform zur Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet klimafreundlicher Flugkraftstoffe und ist in diesem Zusammenhang besonders der Nachhaltigkeit verpflichtet. Die Initiative will den Einsatz regenerativer Energien im Luftverkehr in Deutschland fördern und eine fundierte Grundlage für die politische Entscheidungsfindung bei der Einführung klimafreundlicher Flugkraftstoffe schaffen.
Zu diesem Zweck haben sich in aireg e.V. 20 Unternehmen und Organisationen zusammengeschlossen, darunter Universitäten und Forschungsinstitute, Airlines, Flughäfen, Flugzeugbauer, Triebwerkshersteller, Logistikunternehmen, Kraftstoffproduzenten sowie die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt.
Bundesminister Dr. Ramsauer sagte: „Die Bundesregierung hat in diesen Tagen den Umbau der Energieversorgung beschlossen. Klar ist: Auch der Verkehr muss seinen Teil leisten, unsere Klimaschutzziele zu erreichen. Dazu zählt auch die Luftverkehrsbranche. Sie hat diese Herausforderung angenommen und Maßnahmen ergriffen, um Treibhausgase zu reduzieren. Biokraftstoffe können neben der Entwicklung effizienter Flugzeuge und Triebwerke einen Beitrag dazu leisten. Ich begrüße das Engagement der neuen Initiative, regenerative Kraftstoffe zu erforschen und einzusetzen und damit den Luftverkehr in Deutschland nachhaltig zu stärken.“
Dr. Klaus Nittinger, Präsident von aireg, ergänzte: „Mit der Gründung der aireg erfolgt endlich die Bündelung nationaler Aktivitäten um die anspruchsvollen Emissionsreduktionsziele der Luftfahrt zu erreichen. Eine spätere Ausweitung der Aktivitäten auf eine europäische Ebene ist jederzeit denkbar“.
Der Zusammenschluss von aireg e.V. ist getrieben von einer der drängendsten Herausforderungen für die zukünftige Luftfahrt: der Endlichkeit ihrer fossilen Energieressourcen, bei denen mit langfristiger Verknappung und Verteuerung zu rechnen ist. Durch die Verbrennung von fossilem Kerosin wird zudem zusätzliches Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre eingebracht. Bereits heute beträgt der Anteil der Luftfahrt an den von Menschen verursachten CO2-Emissionen etwa zwei Prozent. Dieser Anteil wird mit den prognostizierten Wachstumsraten der weltweiten Luftfahrt weiter ansteigen, wenn die Branche keine geeigneten, ausgleichenden Maßnahmen trifft, um ihre eigenen CO2 Emissionen nachhaltig zu senken.
Aus diesem Grund hat sich die Branche verpflichtet, ab dem Jahr 2020 ein CO2-neutrales Wachstum zu erreichen und bis zum Jahr 2050 ihre Emissionen dieses Treibhausgases im Vergleich zum Jahr 2005 zu halbieren.
Bereits die heutige Flotte ist um rund 70 Prozent energieeffizienter als die Luftfahrzeuge vor 40 Jahren. Um aber eine weitere Reduktion des CO2-Ausstoßes pro Passagier um bis zu 75 Prozent zu erreichen, werden neben technologischen Verbesserungen im Bereich Luftfahrzeug, Triebwerk und Organisation des Luftverkehrs auch regenerative Energien einen Beitrag dazu leisten müssen, den Kohlenstoffkreislauf zu schließen und die Kohlendioxidkonzentration in der Erdatmosphäre nicht weiter zu erhöhen.
Weil Energieträger wie Wasserstoff oder Batterien für einen Einsatz in der Luftfahrt aber noch Jahrzehnte der Weiterentwicklung benötigen, liegt eine vielversprechende Übergangslösung in „Drop-in“-fähigen Kraftstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, welche gleiche oder bessere Eigenschaften als fossiles Jet-A1 Kerosin aufweisen und nahtlos in der bestehenden, globalen Luftfahrzeugflotte und der zugehörigen Bodeninfrastruktur einsetzbar sein werden.
Diese Treibstoffe stehen bislang jedoch nur in sehr geringen Mengen zur Verfügung, so dass die nachhaltige Industrialisierung der Produktion eine wesentliche Aufgabe für Industrie und Forschung ist. Dabei muss stets gewährleistet sein, dass die Produktion von Biokraftstoffen auf pflanzlicher Basis nicht in Konkurrenz zur Herstellung von Nahrungsmitteln steht und die Nachhaltigkeitskriterien („Renewable Energy Directive“ des Europäischen Parlaments und Rates) eingehalten werden. Derzeit ist beispielsweise das Potential der Jatropha-Nuss sowie von Mikroalgen Gegenstand der Forschung. Energiepflanzen dieser Art bieten das Potenzial, Flächennutzungskonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu vermeiden.
Die Gründungsmitglieder von aireg sind (in alphabetischer Reihenfolge):
airberlin, Bauhaus Luftfahrt e.V. , Booz & Co., Condor Flugdienst GmbH, Deutsches Biomasseforschungszentrum (DBFZ), Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt e.V. (DGLR), Deutsche Lufthansa AG, Deutsche Post AG, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), EADS, Flughafen München GmbH, Forschungszentrum Jülich GmbH, ISCC System GmbH, JatroSolutions GmbH, Leuphana Universität Lüneburg, MTU Aero Engines GmbH, Rolls-Royce Deutschland Ltd & Co KG, Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH), TUIfly, VERBIO Vereinigte BioEnergie AG.
