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Interview mit

Dr. Anne Göhler-Stroh

Energietechnologien und Antriebssysteme

UMSO NEUARTIGER DAS ANTRIEBSKONZEPT, UMSO ERFORDERLICHER DIE GANZHEITLICHE BETRACHTUNG.
Dr. Anne Göhler-Stroh

Dr. Anne Göhler-Stroh ist seit Juli 2015 am Bauhaus Luftfahrt tätig. Die 33-jährige Ingenieurin ist Mitarbeiterin im Forschungsschwerpunkt „Energietechnologien und Antriebssysteme“ sowie Expertin auf dem Gebiet fortschrittlicher Triebwerksarchitekturen.

Woran forschen Sie gerade, Frau Dr. Göhler-Stroh?

Ich untersuche die Potenziale des „Bottoming Cycle“ in Kombination mit einem Turbofan. Das Prinzip eines solchen Konzeptes besteht darin, die Restwärme aus dem Abgasstrahl des Triebwerkes zurückzugewinnen und diese in Form von Energie in den Joule-Brayton-Zyklus zurückzuführen. Daraus entstehen bessere spezifische Verbräuche und Leistungen als beim Turbofan oder beim IRA-Triebwerk. Die Antriebsarchitektur sowie das Medium für den „Bottoming Cycle“ so zu wählen, dass sich trotz Komplexität und Integrationsanforderungen Vorteile auf Gesamtsystemebene ergeben, stellen die Herausforderungen meiner Arbeit dar.

Welche Relevanz hat Ihre Arbeit für die Zukunft der Luftfahrt?

Die Effizienzpotenziale des Turbofans sind nahezu ausgereizt. Gleichzeitig gibt es sehr ambitionierte Ziele für die Reduktion von Triebwerksemissionen. Der Wechsel auf eine andere Architektur ist damit unausweichlich. Um morgen eine Entscheidung zu diesen alternativen Architekturen treffen zu können, müssen wir heute neue Konzepte entwickeln und bewerten. Der „Bottoming Cycle“ ist nur eine von vielen Möglichkeiten.

Welche Methoden beziehungsweise Werkzeuge wenden Sie an?

Die Methoden werden zum Großteil in Eigenregie in MATLAB entwickelt. Das geht von Triebwerkssimulationen über thermodynamische Methoden bis hin zu spezifischen Simulationsprogrammen für Subsysteme, wie zum Beispiel Kolbenmotoren oder Getriebe. Das gibt uns die Freiheit, maßgeschneiderte Lösungen für unsere Bedürfnisse zu finden. Gerade bei der Bewertung neuartiger Antriebskonzepte ist ein hoher Grad an Flexibilität entscheidend.

Inwiefern bietet das Bauhaus Luftfahrt das beste Umfeld für Ihre Forschungen?

Das Bauhaus Luftfahrt sitzt an der Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie. Es ist somit ständig dem Spannungsfeld zwischen neuen Ansätzen und technischer Machbarkeit ausgesetzt. In anderen Worten beschreibt es perfekt meine Vorstellung vom Ingenieurberuf: Ideen und Kreativität Freiraum geben, ohne den wirtschaftlichen Druck der Industrie, aber unter deren Anforderungen an Produktnähe und Umsetzbarkeit.
Außerdem lernt man durch den permanenten Einsatz in vielseitigen Projekten die Ansprüche, aber auch Herausforderungen verschiedener Akteure der Luftfahrt kennen. Und nicht zuletzt vertritt das Bauhaus Luftfahrt eine sehr förderliche Position zum Thema „Familie und Beruf“ mit individuellen Arbeitsmodellen.

Was waren Ihre Stationen vor dem Bauhaus Luftfahrt?

Nach einem klassischen französischen Ingenieurstudium im Bereich Maschinenbau mit anschließender Vertiefung in Strömungsmechanik und Energietechnik bin ich nach München zur MTU Aero Engines gekommen. Dort war ich über sechs Jahre tätig, zunächst in der Wärmetechnik und anschließend in der Vorauslegung, wo ich zum Thema optimierte rekuperative Systeme für Wellenleistungstriebwerke im Kleinhubschrauber-Segment promoviert habe. Nach Abschluss der Promotion habe ich den Wechsel zum Bauhaus Luftfahrt vorgenommen und freue mich, hier die Luftfahrt von morgen oder übermorgen zu gestalten.