Skip to main content

Interview mit

Raoul Rothfeld, M.Sc.

Operationelle Aspekte

NEUARTIGE TRANSPORTKONZEPTE, WIE „URBAN AIR MOBILITY“, MÜSSEN HOLISTISCH BETRACHTET WERDEN.
Raoul Rothfeld, M.Sc.

Raoul Rothfeld ist seit Dezember 2015 am Bauhaus Luftfahrt tätig. Der 27-jährige Softwareentwickler und Datenwissenschaftler ist Mitarbeiter im Forschungsschwerpunkt „Operationelle Aspekte“ sowie Experte auf dem Gebiet der Modellierung zukünftiger urbaner Lufttransportkonzepte.

Woran forschen Sie gerade, Herr Rothfeld?

Das Konzept „Urban Air Mobility“, also die Verwendung von vertikal startenden und landenden Flugzeugen für den Passagiertransport im urbanen Raum, ist ein Thema, das zunehmend an Interesse gewinnt. Obwohl das Konzept nicht grundsätzlich neu ist, schließlich gibt es in einigen Großstädten bereits Taxidienste per Helikopter, machen neuartige Vehikel-Projekte Hoffnung auf weitere Anwendungsfälle, in denen Helikopter heutzutage noch keine Verwendung finden. Denn diese neuartigen Vehikel basieren meist auf technologischen Fortschritten in den Bereichen der verteilten und elektrischen Antriebe sowie auf verbesserten Energiedichten von Batterien. Im Vergleich zum Helikopter versprechen diese Entwicklungen leiser, sicherer und günstiger zu sein. Meine Aufgabe ist es nun, diese Art der Mobilität zu verstehen, zu simulieren und zu evaluieren. Besonders möchte ich untersuchen, unter welchen Bedingungen das Konzept urbaner Luftmobilität helfen kann, heutige verkehrsgeplagte Städte zu entlasten.

Welche Relevanz hat Ihre Arbeit für die Zukunft der Luftfahrt?

Meine Forschung soll helfen, den sich derzeit aufspannenden Designraum für kleine, vertikal startende und landende, elektrisch angetriebene Flugzeuge zu konkretisieren und damit zur Entwicklung von leiseren, umweltfreundlicheren Flugzeugen beizutragen. Wir sehen mit dieser Entwicklung von kleinen elektrischen Flugzeugen für urbane Missionen ein Aufeinandertreffen der klassischen Welt der Luftfahrt und des Bodentransportes. Die Modellierung von urbanem Luftverkehr im Zusammenspiel mit existierenden urbanen Transportsystemen soll hier die Brücke bilden und beide Themengebiete sowie deren Verständnis miteinander verbinden.

Welche Methoden beziehungsweise Werkzeuge wenden Sie an?

Zur Verkehrsmodellierung benutzte ich im Speziellen MATSim, einen Java-basierten Open-Source-Framework für agentenbasierte Verkehrssimulationen. Mit einer selbst entwickelten Erweiterung für die bestehende Verkehrssimulation wurde die Möglichkeit eingeführt, dem Agenten, also dem simulierten Einwohner einer Stadt, Luftmobilität als Reiseoption zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich verwende ich GIS-Programme, also Software zum Bearbeiten und Analysieren räumlicher Daten, um die Unterschiede städtischer Transportsysteme aus aller Welt mit ihren regionalen Eigenheiten zu verstehen.

Was sind die Ergebnisse Ihrer Arbeit?

Es ist momentan noch zu früh, um abschätzen zu können, wie sich eine potenzielle Realisierung urbaner Luftmobilität auf das Gesamttransportsystem einer Stadt auswirken würde; dafür sind noch zu viele Fragen offen und Themengebiete rund um „Urban Air Mobility“ unerforscht. Erste Erkenntnisse bestätigen jedoch, dass man neue Transportkonzepte nicht mehr separat betrachten kann, sondern immer im Zusammenspiel zum existierenden System und dessen Infrastruktur. So zeichnet sich bereits ab, dass neben der Fluggeschwindigkeit dieser neuen Flugzeuge die Zugangs- und Prozesszeiten urbaner Fluginfrastruktur von besonderer Bedeutung sind.

Inwiefern bietet das Bauhaus Luftfahrt das beste Umfeld für Ihre Forschungen?

Mit seiner zukunftsorientierten und interdisziplinären Ausrichtung bietet mir das Bauhaus Luftfahrt die Möglichkeit, an neuartigen und unkonventionellen Themen zusammen mit Kollegen anderer Fachgebiete und der Industrie zu arbeiten. Bei einem Konzept wie „Urban Air Mobility“, bei dem Fragen zur technologischen Machbarkeit, zur infrastrukturellen Integration oder zur regulatorischen Handhabe noch intensiver Forschung bedürfen, ist es essenziell, die Fragestellungen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können.