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Interview mit

Ulrike Kluge

Operationelle Aspekte

In der Luftfahrtforschung ist die Betrachtung der gesamten Reisekette und zukünftiger Passagiertypen unabdingbar.
Ulrike Kluge

Ulrike Kluge ist seit Juni 2016 am Bauhaus Luftfahrt tätig. Die 28-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin mit einem fachlichen Schwerpunkt in Sozialpsychologie ist Mitarbeiterin im Forschungsschwerpunkt „Operationelle Aspekte“ sowie Expertin auf dem Gebiet von Passagiernachfrage und Passagierverhalten.

Woran forschen Sie gerade, Frau Kluge?

Im Rahmen eines EU-Projektes bewerte ich intermodale Mobilitätskonzepte, welche die gesamte Reisekette (door-to-door) im Hinblick auf Zeitersparnis, Effizienz und Komfort verbessern könnten. Diese können auch disruptiv sein, wie zum Beispiel Konzepte für urbane Luftmobilität oder das Hyperloop-Konzept. Für die Bewertung nutze ich Key Performance Indicators (KPIs), abgeleitet von zukünftigen Passagiergruppen und Passagierbedürfnissen. Interessant ist dabei, dass es in der Luftfahrtforschung oft nicht mehr ausreicht, ausschließlich die Flugreise zu betrachten, da Verbesserungspotenziale in der gesamten Reisekette zu finden sind und damit einhergehend auch eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Mobilitätsanbieter (z. B. Fluggesellschaft und Bahn) erfolgen muss. Daher geht meine Analyse über den reinen Flug (gate-to-gate) hinaus und schließt beispielsweise auch den Reiseweg zum Flughafen (door-to-kerb) sowie vom Flughafen zum Endpunkt (kerb-to-door) mit ein.

Welche Relevanz hat Ihre Arbeit für die Zukunft der Luftfahrt?

Durch diese Analyseergebnisse können Potenziale, aber auch mögliche Engpässe identifiziert werden. Akteure aus Politik und Industrie werden unterstützt, sich ein Bild über die zukünftige Mobilitätslandschaft und denkbare Entwicklungen in Europa zu machen, um so fundierte Entscheidungen zu treffen. Durch ein grundlegendes Verständnis der zukünftigen Passagiergruppen und deren Anforderungen an das Transportsystem können beispielsweise Flugangebote und -produkte verbessert und individuell angepasst werden. Mit meiner Arbeit trage ich also dazu bei, dass wir in der Zukunft schneller und bequemer ans Ziel kommen.

Welche Methoden beziehungsweise Werkzeuge wenden Sie an?

Basierend auf der Forschungsfrage arbeite ich mit qualitativen und quantitativen Methoden. Für ein besseres Verständnis von dem System Luftfahrt, dem Zusammenspiel der Akteure Flugzeughersteller, Flughafen, Fluggesellschaft und Passagier sowie die Bearbeitung von übergeordneten Fragestellungen nutze ich die systemdynamische Modellierung. Für Betrachtungen von passagierrelevanten Fragestellungen sind beispielsweise statistische Auswertungen und Segmentierungsmethoden hilfreich. Auch tauschen wir uns regelmäßig mit anderen Forschungseinrichtungen aus verschiedenen Bereichen des Transportes sowie entsprechenden Experten aus der Industrie aus.

Was sind die Ergebnisse Ihrer Arbeit?

Meine Arbeit ist fast immer Teil eines Projektes, in dem wir im Team zusammenarbeiten. In einem systemdynamischen Modell des europäischen Transportsystems können wir beispielsweise aufzeigen, wie sich die Passagiernachfrage zusammensetzt, und diese auch für die nächsten Jahrzehnte simulieren und quantifizieren. Basierend auf der Entwicklung von Faktoren wie Alters- und Haushaltsstrukturen, Einkommen oder Bildungsniveau erarbeiten wir so zukünftige Passagierprofile. Diese werden im Schnitt älter sein, und die Transparenz von diversen Reiseoptionen mittels Digitalisierung sowie die Nutzung neuer Technologien werden das Reiseverhalten nachhaltig verändern.

Inwiefern bietet das Bauhaus Luftfahrt das beste Umfeld für Ihre Forschungen?

Neben dem interdisziplinären Umfeld schätze ich den fachlichen und persönlichen Austausch mit meinen Kollegen. Arbeitsergebnisse können diskutiert und auch einmal kritisch hinterfragt werden, was die eigene Forschung stetig vorantreibt.