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Modus: Die Rolle des Luftverkehrs in einem intermodalen Transportsystem besser verstehen und bewerten

Das Projekt Modus wurde Anfang Juni im Beisein von Vertretern von SESAR JU und der sieben Mitglieder des Konsortiums offiziell gestartet. Bauhaus Luftfahrt e. V. (BHL), École nationale de l'aviation civile (ENAC), University of Westminster LBG (UoW), Fundacion Instituto De Investigacion Innaxis (INX), UIC, Skymantics Europe SL (SKY) und EUROCONTROL – Die Europäische Organisation für Flugsicherung (ECTL) sind die Partner des Projektes Modus, das mit einer Laufzeit von 30 Monaten ab dem 1. Juni 2020 das Thema SESAR-ER4-10-2019 „ATM Role in Intermodal Transport“ behandelt.

Hauptziel des Projektes ist die Analyse der Leistungsfähigkeit des gesamten Verkehrssystems, indem die Reise von Tür zu Tür ganzheitlich betrachtet und die Rolle des Luftverkehrs in einem integrierten, intermodalen Ansatz bewertet wird. Zu diesem Zweck identifiziert und bewertet Modus die Treiber für die zukünftige Mobilitätsnachfrage und das Mobilitätsangebot und wie diese die Verkehrsmittelwahl von Passagieren beeinflussen. Hieraus werden verschiedene Szenarien abgeleitet, die mögliche Entwicklungspfade zukünftiger Mobilität mit einem Zeithorizont von 2030+ aufzeigen, unter Berücksichtigung von Aspekten wie neue regulatorische Rahmenbedingungen in Bezug auf neue Umweltstandards, oder neue Geschäftsmodelle.

Das Projekt ist in sieben Arbeitspakete (WP) gegliedert:

  • WP1 Coordination and Management (led by BHL)
  • WP2 Data Acquisition and Management (led by INX)
  • WP3 Future Supply and Demand Scenarios (led by ENAC)
  • WP4 Passenger Mobility Modelling (led by UoW)
  • WP5 Identification of Gaps and Barriers (led by BHL)
  • WP6 Dissemination and Exploitation (led by UIC)
  • WP7 Ethics Requirements (led by BHL)

Im Rahmen des Projektes wird ein Modellierungsansatz entworfen, mit dem zukünftige Entwicklungen im europäischen Verkehrssystem abgebildet und analysiert werden können. Dieser Ansatz schließt sowohl den Luft- als auch den Schienenverkehr mit ein und ermöglicht eine Bewertung von potenziellen Engpässen und Lösungen, die adressiert werden müssen, um europäische Mobilitätsziele zu erreichen. Auf diese Weise wird das Projekt auch Werkzeuge und Empfehlungen für Entscheidungsträger bereitstellen; ein Teil hiervon ist die Einbeziehung eines Industry Boards sowie von relevanten Experten aus verschiedenen Bereichen.

Das Konsortium wird vom Bauhaus Luftfahrt geleitet, dessen fundiertes Fachwissen und Erfahrung als Partner und Koordinator in EU-Projekten Synergien zwischen den involvierten Partnern und Experten vorantreiben wird.

Das Modus-Projekt wird im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogrammes Horizon 2020 – SESAR der Europäischen Union unter der Vereinbarung Nr. 891166 mit einem Zuschuss von 998.875 EUR gefördert. Weitere Informationen werden demnächst auf Twitter @modus_project, LinkedIn und über die Webseite https://www.sesarju.eu/projects/modus verfügbar sein.

Das Projekt wurde im Juni in den SESAR e-news präsentiert, wobei spezifische Fragen zum Umfang und den Zielen des Projektes gestellt wurden (https://www.sesarju.eu/node/3634):

Fliegen, auf multimodale Art und Weise!

Flugzeuge, Züge und Autos, ganz zu schweigen von den Möglichkeiten der Mikromobilität wie Fahrrädern und Rollern: Reisende hatten noch nie so viele Optionen zur Auswahl, um von A nach B zu kommen. Aber welche Kombination bietet die schnellste, erschwinglichste, zuverlässigste und umweltfreundlichste Möglichkeit, um von Tür zu Tür zu gelangen, insbesondere bei Reisen, die einen Flug beinhalten? Das ist die Herausforderung, der sich die Forscher des kürzlich gestarteten Modus-Projektes gestellt haben, wie Annika Paul, Modus-Koordinatorin vom Bauhaus Luftfahrt, in diesem Interview erklärt.

Was sind der Grundgedanke und die Hauptziele des Modus-Projektes?

Das Hauptziel des Projektes besteht darin, die Rolle des Luftverkehrs innerhalb eines integrierten und intermodalen Verkehrssystems zu bewerten, wobei die gesamte Reise von Tür zu Tür betrachtet wird. Genauer gesagt geht es darum, die (zukünftigen) Treiber für die Nachfrage nach und das Angebot an Mobilität zu identifizieren, zu bewerten und zu untersuchen, wie sich diese auf die Verkehrsmittelwahl der Passagiere auswirken. Dies ermöglicht die Entwicklung verschiedener Mobilitätsszenarien, die einen Zeithorizont von 2030 und darüber hinaus abdecken.

Warum ist es wichtig, über den Luftverkehr in einem multimodalen/intermodalen Kontext nachzudenken?

Intermodalität ist eine der Top-Prioritäten im Rahmen europäischer Mobilitätsziele, wie z. B. Flightpath 2050 mit der Vorgabe, bis 2050 90 % der Reisenden die Möglichkeit zu geben, innerhalb Europas innerhalb von vier Stunden von Tür zu Tür zu gelangen, inklusive eines Fluges. Der Luftverkehr leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung dieser Vision. Die Herausforderung besteht darin, den Wettbewerb und die Komplementarität zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern zu verstehen, Kapazitätsengpässe bei diesen zu adressieren und gleichzeitig die steigende Nachfrage der Passagiere nach intelligenteren und umweltfreundlicheren Mobilitätslösungen miteinzubeziehen.

Beeinflusst COVID-19 den Grundgedanken und die geplante Arbeit des Projektes?

Die COVID-19-Pandemie hat die europäische und globale Mobilitätslandschaft im Jahr 2020 verändert; das Projekt Modus bietet die Gelegenheit, die Relevanz und Auswirkungen von COVID-19 auf die Entscheidungsprozesse von Reisenden und Transportdienstleistern in Europa zu analysieren.

Wie könnte das Modell für Lösungen verwendet werden, die auf Passagiere abzielen? Welche Vorteile erhoffen Sie sich von Ihrem Projekt?

Modus zielt darauf ab, wichtige Einblicke in die Erfahrungen der Passagiere zu gewinnen, indem das Wissen über die Vorlieben und Erwartungen von Reisenden deutlich verbessert wird sowie darüber, wie verschiedene Faktoren die Nachfrage nach Luft- und Schienenverkehr beeinflussen. Dazu gehört eine detaillierte Analyse der Passagierpräferenzen bei der Verkehrsmittelwahl, die über die reinen Reisezeit- und Preisparameter hinausgeht und Aspekte wie Umweltbewusstsein oder Komfort während der Reise mitberücksichtigt.

Wir hoffen, dass unsere Forschung zu einem ganzheitlichen Modellierungsansatz führt, der die Tür-zu-Tür-Reise abdeckt und die Auswirkungen auf die Transportkapazität – insbesondere an Flughäfen – und die Passagierströme veranschaulicht. Zu diesem Zweck plant das Modus-Konsortium, unterschiedliche Datenquellen zu nutzen, um die Interaktion zwischen verschiedenen Verkehrsträgern zu modellieren (z. B. Eurostat, Weltbank oder nationale statistische Datenbanken, die Verkehrsstatistiken bereitstellen). Das Projekt profitiert außerdem von den Erfahrungen des Konsortiums in anderen EU-Projekten wie DATASET2050 oder Domino.

Der Modellierungsansatz baut auf dem bereits gut ausgerüsteten Mobilitätsmodell „Mercury“ auf, das von der University of Westminster und Innaxis in den letzten Jahren entwickelt wurde. Dieses fokussiert sich vor allem auf das Gate-to-Gate-Segment von Passagierreisen und liefert verschiedene Passagier- und Flugmetriken. Das Modell wird im Rahmen von Modus auf einen umfassenderen Tür-zu-Tür-Kontext erweitert. Ergänzt wird es zudem durch RNEST, eines von EUROCONTROL in der Forschung verwendeten ATM-Simulationstools, das die Modellierung des Luftverkehrs einschließlich Flugbahnen und ATM-Prozesse ermöglicht.

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte Annika Paul (Annika.Paul[at]bauhaus-luftfahrt.net).

Modus project SESAR

Symbolfoto.
24. Juli 2020