Welche Strategie führt zu einer kosteneffizienten, klimafreundlichen Luftfahrt im Jahr 2070? Vier Szenarien des Thinktanks Bauhaus Luftfahrt veranschaulichen die Auswirkungen verschiedener Transformationspfade. Zentrale Aussagen: Langfristig rechnen sich hohe Investitionen, die größten Chancen für den Klimaschutz bieten Wasserstoff und hocheffiziente Flugzeuge, nachhaltige Kraftstoffe sind in jedem Szenario essenziell.
„Trotz hoher Investitionen: Mehr Ambition für eine klimafreundliche Luftfahrt wird sich wirtschaftlich rechnen“, erklärt Prof. Dr. Mirko Hornung, Vorstand Wissenschaft und Technik des Bauhaus Luftfahrt. Die benötigten Investitionen belaufen sich bereits für einen moderaten Transformationspfad, der auf eine Beimischung von nachhaltigem Kraftstoff setzt, auf mehrere Hundert Milliarden Dollar. „Doch die Szenarien des Bauhaus Luftfahrt zeigen: Eine ambitionierte Transformation rechnet sich gesamtwirtschaftlich bereits ab 2050, wenn hocheffiziente Flugzeuge mit nachhaltigen Kraftstoffen die gesellschaftlichen Kosten durch den Klimawandel erheblich reduzieren.“
Die vier Transformationsszenarien treffen jeweils eine Kernannahme: 70 Prozent nachhaltige Kraftstoffe, 100 Prozent nachhaltige Kraftstoffe, bis zu 60 Prozent effizientere Flugzeuge verbunden mit nachhaltigen Kraftstoffen, radikaler Umstieg auf Wasserstoff. Jeder Pfad wird von drei zentralen Eigenschaften bestimmt:
- Nachhaltiger Kraftstoff führt zu steigenden Betriebskosten: Die kombinierte Wirkung aus CO2-Bepreisung sowie Einführung von nachhaltigen Flugkraftstoffen und flüssigem Wasserstoff wird die Betriebskosten in den verschiedenen Szenarien voraussichtlich um etwa 35 bis 55 Prozent pro Passagierkilometer erhöhen.
- Flüssiger Wasserstoff bietet langfristige Kostenvorteile: Obwohl Wasserstoffflugzeuge höhere Anschaffungskosten verursachen, können sie langfristig zu niedrigeren Betriebskosten führen, vor allem aufgrund zunehmender Synergien im Energiesystem.
- Flugzeugeffizienz ist der wichtigste Hebel zur Kostensenkung: Hocheffiziente Flugzeuge der nächsten Generation bieten das größte Potenzial, kraftstoffbedingte Kostensteigerungen erheblich abzumildern – trotz hoher Entwicklungs- und Anschaffungskosten.
Ambitionierte Pfade rechnen sich ab 2050
In allen Szenarien steigen die Betriebskosten hauptsächlich aufgrund der preisintensiveren alternativen Kraftstoffe. Selbst im konservativen Szenario mit 70 Prozent nachhaltigem Kraftstoff bis 2070 wären weltweit erhebliche Investitionen in Höhe von mehreren Hundert Milliarden Dollar jährlich erforderlich. Um 100 Prozent nachhaltigen Flugkraftstoff bis 2060 zu erreichen, müssten die Investitionen gegenüber dem konservativen Szenario nochmals um 30 Prozent steigen. Der konservative Pfad bleibt zunächst pro Passagierkilometer etwa zehn Cent günstiger als die anderen Pfade. Diese Lücke verringert sich jedoch allmählich, kehrt sich nach 2050 um und das Basisszenario übersteigt die prognostizierten Kosten für die ambitionierteren Pfade.
Die direkten Betriebskosten pro Passagierkilometer steigen in allen Szenarien um 35 bis 50 Prozent. Ab 2050 rechnen sich die ambitionierten Pfade gegenüber einem konservativen Transformationspfad gesamtwirtschaftlich.
Notwendige Investitionen in die Kraftstoffproduktion im konservativen Szenario, in dem 70 Prozent nachhaltige Kraftstoffe beigemischt werden. Biobasierter Kraftstoff wird von synthetischen Kraftstoffen, die auf erneuerbaren Energien basieren, abgelöst.
Bis zu 74 Prozent weniger CO₂-Äquivalent-Emissionen bis 2070
Im konservativen Basisszenario erreichen die jährlichen Emissionen etwa 2,8 Gigatonnen CO₂-Äquivalent (verschiedene Treibhausgase und Effekte), wenn bis 2070 der Flugkraftstoff zu 70 Prozent nachhaltig ist. Werden bis 2060 100 Prozent nachhaltige Kraftstoffe eingesetzt, könnten die CO₂-Äquivalent-Emissionen um 24 Prozent sinken. Reduktionen bis zu 40 Prozent sind mit hocheffizienten Flugzeugen und nachhaltigen Kraftstoffen möglich, im besten Fall bis zu 74 Prozent im radikalen Wasserstoffszenario – unter der Annahme einer geringen Klimabelastung durch Kondensstreifen sowie von Flugroutenanpassungen.
Gesellschaftlicher Nutzen von vielen Billionen Dollar
Gesundheit, Landwirtschaft, Energiesysteme und Wettermuster – die Transformation der Luftfahrt trägt dazu bei, gesellschaftliche Kosten durch Klimawandel zu vermeiden. Das Bauhaus Luftfahrt berücksichtigt bei dieser Fragestellung CO2-Emissionen, nicht-CO2-bedingte Klimaeffekte sowie lokale Luftverschmutzung. Bei den ambitionierten Transformationspfaden beziffert sich der gesellschaftliche Nutzen gegenüber dem konservativen Basisszenario auf mehrere Billionen Dollar.
Hocheffiziente Flugzeuge mit nachhaltigen Kraftstoffen könnten die CO₂-Äquivalent-Emissionen um bis zu 40 Prozent reduzieren, Wasserstoffflugzeuge mit Kondensstreifen-Vermeidung um bis zu 74 Prozent.
Die kumulativen Mehrkosten der Klimawirkung der Luftfahrt für die Gesellschaft können um viele Billionen Dollar gesenkt werden.
Die Szenarien basieren auf der Modellierung des komplexen Zusammenspiels von Energieversorgung, Netzwerkstrukturen, Flugzeuginnovation sowie ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Im Vordergrund steht die Identifizierung ökonomischer Hebel, nicht die exakte Quantifizierung der (gesellschaftlichen) Kosten. Einbezogen werden Luftverkehrsnachfrage und Wirtschaftswachstum, die Entwicklung der Flugzeugtechnologie und des Energiemix, Flottendynamik und Marktakzeptanz sowie Klimaauswirkungen und gesellschaftliche Kosten.
ILA Berlin, 10.-14. Juni 2026
Bauhaus Luftfahrt ist Mitaussteller bei MTU Aero Engines (Halle C, Stand 310).
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